Coronavirus (COVID-19)

Coronavirus (COVID-19)

Corona ist aktuell in aller Munde. Doch wie gehe ich als Sportler damit um? Und wie als Patient mit Herzerkrankung oder Bluthochdruck? Was kann ich bezüglich meiner Ernährung machen? Das und viele weitere Fragen beantwortet PD Dr. med. Axel Preßler im Folgenden:

Liebe Patientinnen und Patienten,
liebe Sportlerinnen und Sportler,

wie Sie wissen sind wir seit Wochen mit der schweren Corona-Krise konfrontiert, und gerade in diesem Bereich stellen sich auch für Patienten mit Herzerkrankungen oder auch für Sportlerinnen und Sportler viele Fragen, wie man damit am besten umgeht, wie man sich verhält, welche Risikofaktoren es vielleicht gibt und auf was man ganz besonders in diesen Zeiten achten muss.

Wir möchten Ihnen gerne wichtige Fragen rund um die Themen Coronavirus, Herzerkrankungen und Sport beantworten und hoffen, Ihnen einige hilfreiche Tipps geben zu können.

Die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus, Herzerkrankungen und Sport:

Herzerkrankungen werden in den Zeiten der Corona-Krise immer als ganz besondere Risikoerkrankungen genannt. Wichtig zu erwähnen ist hier, dass es grundsätzlich sehr viele verschiedene Herzerkrankungen gibt, die nicht alle gleichermaßen zu bewerten sind, von Rhythmusstörungen bis hin zu Herzinfarkten oder auch einfach „nur“ Risikofaktoren. Ganz allgemein ist es aber bei all diesen Krankheiten wichtig, dass Sie Ihre Medikamente weiterhin so einnehmen, wie sie vom Arzt verschrieben worden sind, so dass die Erkrankung auch weiterhin konstant und gut behandelt wird. Sollte es tatsächlich einmal zu Beschwerden kommen, bleibt es genauso wichtig, einen Arzt aufzusuchen oder vorher telefonisch Kontakt mit Ihm aufzunehmen, oder im Zweifelsfall auch die Notaufnahmen von Krankenhäusern aufzusuchen. Man muss dort nicht befürchten, dass man sich ansteckt – es sind überall entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen worden. Es ist ganz wichtig, dass Sie auch weiterhin auf Ihre Symptome achten und im Zweifelsfalle genau so handeln, wie Sie auch außerhalb der Corona-Zeit handeln würden.

Der Bluthochdruck wird tatsächlich ganz besonders als Risikofaktor genannt, so dass man fast den Eindruck bekommt, das sei eine der schlimmsten Erkrankungen, die man haben kann, wenn man sich mit dem Coronavirus ansteckt. Man darf dabei allerdings nicht ganz vergessen, dass der Bluthochdruck gerade in den höheren Altersgruppen eine insgesamt sehr häufige Erkrankung ist, so dass das sicherlich auch statistisch etwas verzerrt wird. Sehr viele ältere Menschen haben tatsächlich einen Bluthochdruck, und leider erkranken auch viele ältere Menschen ganz besonders am Coronavirus.
Grundsätzlich gilt für den Bluthochdruck aber ohnehin das Gleiche, was für die anderen Herzerkrankungen gilt: Es muss darauf geachtet werden, dass der Blutdruck gut eingestellt ist, dass er nicht entgleist und dass Sie sich wohl fühlen.

Deswegen auch hier der Appell: Nehmen Sie bitte Ihre Medikamente weiterhin ein und achten Sie auf einen gut eingestellten Bluthochdruck. Das ist das Wichtigste, was Sie tun können.

In der letzten Zeit hat es tatsächlich einige Berichte gegeben, dass die Einnahme bestimmter Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer (z.B. Ramipril) oder die sogenannten Sartane (z.B. Candesartan oder Valsartan) unter Umständen zu einer vermehrten Ansteckung mit dem Coronavirus führen könnten. Tatsächlich gibt es in einigen Laborstudien Hinweise darauf, dass es gewisse Wechselwirkungen zwischen diesen Medikamenten und den Stoffen gibt, die das Coronavirus für seinen Eintritt in die Körperzellen benutzt. Diese Studien wurden aber bisher ausschließlich im Labor durchgeführt und haben sich bisher überhaupt noch nicht im Menschen bestätigt. Gegenteilig würde das Absetzen solcher Medikamente vielleicht zu einem schlecht eingestellten Blutdruck führen oder auch zu einer schlecht eingestellten Herzerkrankung, was vermutlich deutlich mehr Nachteile hätte. Insofern gibt es im Moment ganz klare Empfehlungen der Fachgesellschaften, diese Medikamente auf jeden Fall weiter zu nehmen und nicht abzusetzen, solange bis deutlich mehr Klarheit besteht, ob es tatsächlich negative Effekte geben könnte.

Als Risikoerkrankungen gelten letztlich alle chronische Erkrankungen, die zu einer Schwächung des Immunsystems führen. Die bekanntesten Beispiele sind hier sicherlich der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Krebserkrankungen oder auch Rheuma-Erkrankungen. Auch das Alter hat sich leider als besonderer Risikofaktor herausgestellt, sodass alle über 65-Jährigen eine ganz besondere Risikogruppe darstellen. Lungenerkrankungen sind deshalb so gefährlich, weil das Coronavirus leider häufig die Lunge angreift und dort eine schwere Entzündung auslösen kann, sodass sich zum Beispiel auch das Rauchen jetzt wirklich nicht mehr anbietet. Vielleicht kann hier sogar die Gelegenheit genutzt werden, mit dem Rauchen ganz aufzuhören.

Wichtig ist, dass diese genannten Risikogruppen ganz besonders auf sich aufpassen und auch die Angehörigen dieser Patienten dies beachten. Bleiben Sie zu Hause, schützen Sie sich weitestgehend vor Kontakten, damit bei Ihnen als besonderer Risikopatient es nicht zu einer Infektion kommt.

Wie zuvor bereits erwähnt, zählt vor allem die Lunge zu den primären Zielorganen des Coronavirus, sodass es äußerst wichtig ist, sich möglichst vor Lungenentzündungen durch andere Krankheitserreger zu schützen. In diesem Zusammenhang kam zuletzt auch immer wieder die Empfehlung auf, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Pneumokokken sind Bakterien, die ganz besonders schwere Lungenentzündungen hervorrufen können und eine durch das Coronavirus verursachte Lungenentzündung stark verschlimmern könnten. Diese Impfung gilt grundsätzlich als ohnehin empfohlen für Personen über 60 Jahre, stellt also auch unabhängig von Corona eine wichtige Schutzmaßnahme dar. Das Problem ist im Moment jedoch, dass der Impfstoff fast überall vergriffen ist, sodass man dieser Empfehlung aktuell nur sehr schwer nachkommen kann. Wenn es aber einen Impfstoff gibt, ist es sicherlich für Risikopatienten sowie für ältere Menschen sinnvoll – wenn man diese Impfung noch nicht hat – diese tatsächlich jetzt erstmalig durchführen zu lassen.

Sport ist und bleibt einer der gesündesten Maßnahmen, die man überhaupt machen kann, und das gilt natürlich auch für die Zeit der Corona-Epidemie. Nur müssen wir unsere Schwerpunkte einfach etwas verschieben. Die Ausgangsbeschränkungen zwingen uns dazu, sportliche Aktivitäten in das Haus zu verlagern oder auch in den näheren Bereich um das Haus herum. Daraus kann man schon schließen, dass sich Aktivitäten wie Walking oder Joggen weiterhin sehr gut ausüben lassen. Ganz besonders gut bieten sich jetzt auch Übungen zu Hause an, sofern man entsprechende Geräte hat, oder auch Übungen aus dem Internet, die man sich anschauen kann. Derzeit gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, die Workouts und gymnastische Übungen vorführen und die zum Mitmachen anregen.

Auch wir möchten Ihnen in den nächsten Tagen kleine Anregungen zur gesunden Betätigung geben und werden entsprechende Videos zur Verfügung stellen. Es bleibt eminent wichtig, sich sportlich zu betätigen, auch weil die Lunge dadurch belüftet und das Immunsystem gestärkt werden.

Grundsätzlich gelten für die Ernährungsempfehlungen die gleichen Prinzipien wie auch außerhalb der Corona-Zeit. Es ist wichtig, dass man sich möglichst gesund und frisch ernährt, d.h. in diesen Zeiten auch ganz besonders vitaminreich, z.B. durch Konsum von Früchten mit einem hohen Vitamin C-Gehalt. Hier bieten sich unter anderem Kiwis, Orangen, Zitronen oder auch Bananen an. Auch eine reiche Auswahl an Gemüsesorten und Vollkornprodukten ist zu empfehlen; dagegen sollten zu viele Fertigprodukte bzw. industrieverarbeitet oder frittierte Speisen gemieden werden. Insgesamt sollte darauf geachtet werden, möglichst frische und „bunte“ Nahrungsmittel zu konsumieren; viele haben ggf. sogar mehr Zeit, Gerichte aus frischen Produkten selbst zu kochen. Supplemente sind dazu, wie eigentlich auch sonst, nicht erforderlich, auch wenn viele davon angeboten werden. Wenn man sich gesund ernährt, werden alle wichtigen Nährstoffe aufgenommen, die man in diesen Zeiten zur Infektabwehr besonders benötigt.

Mittlerweile gibt es auch eine steigende Zahl von Menschen, die das Coronavirus glücklicherweise überstanden haben. Man weiß noch nicht sehr viel darüber, wie zum Beispiel eine Immunität aussieht, ob diese überhaupt eintritt, oder ob es einen längeren Schutz gibt; daran wird aktuell noch viel geforscht. Was wir aber wissen, ist, dass das Coronavirus in vielen Fällen auch die Lunge und leider auch oft das Herz relativ stark angegriffen hat. Daher ist es sicherlich wichtig (ganz besonders wenn Sie zum Beispiel eine sportliche Aktivität intensivieren wollen), sich dahingehend untersuchen zu lassen. So stellen Sie sicher, dass das Herz und die Lunge, und natürlich auch andere Organe, die Krankheit gut überstanden haben und wieder vollständig belastbar sind.

Wir hoffen sehr, dass wir einige wichtige Fragen rund um die derzeitige Corona-Krise für Sie beantworten konnten. Das Wichtigste ist: Bleiben Sie gesund, achten Sie bitte sehr auf sich, verfolgen Sie die Anweisungen, die uns die Experten geben – nur so können wir einen hoffentlich sicheren und guten Weg aus der Krise finden.

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