Coronavirus (COVID-19)

Update zum Thema
"Coronavirus (COVID-19)"

Liebe Sportler/innen und Patient/innen,

seit dem Frühjahr 2020 hat uns die Corona-Pandemie in Atem gehalten. Nach wie vor birgt eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus ein hohes Krankheitsrisiko und schränkt weiterhin noch viele Dinge des täglichen Lebens ein.

Wenngleich viele Aspekte zur SARS-CoV-2-Infektion mittlerweile bekannt und in den Alltag integriert sind, bestehen weiterhin noch Fragen rund um die Erkrankung, den Impfschutz und vor allem bezüglich sportlicher Aktivitäten. So werden wir zum Beispiel noch häufig zum Thema Herzmuskelentzündungen nach Coronainfektion oder auch nach einer Impfung im Zusammenhang mit Sport befragt.

Wir möchten daher auf dieser Seite den aktuellen Stand zu den wichtigsten Themenbereichen rund um COVID-19 für Sie zusammenfassen und Empfehlungen aussprechen. Dies ersetzt natürlich nicht eine umfassende persönliche Beratung und Untersuchung, so dass wir weiterhin für Sie mit unseren „Corona-Checks“ und sportkardiologischen Untersuchungen gerne zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus und Herzerkrankungen

Abstandsregelungen, regelmäßige Belüftungen, Händedesinfektion und natürlich das Tragen von Masken sind mittlerweile Alltag; die nächsten Monate werden zeigen, inwieweit diese Maßnahmen noch notwendig sind. Bitte halten Sie sich aber weiterhin an die offiziellen Empfehlungen, denn wir alle wollen unbedingt einen möglichst endgültigen Weg aus der Pandemie finden.

Sport ist und bleibt eine der wichtigsten und gesündesten Maßnahmen, um sich vor Infektionen und deren Aus- und Nachwirkungen zu schützen. Zahlreiche Studien konnten mittlerweile zeigen, dass „fitte“ Menschen sich weniger anstecken oder zumindest weniger schwere Krankheitsverläufe ausweisen. Neben regelmäßiger sportlicher Aktivität sollte auch eine gesunde und frische, pflanzlich-mediterran orientierte Ernährung reich an Obst und Gemüse Teil der täglichen Routine sein. Ein schwerer Vitamin D-Mangel sollte unserer Ansicht nach ggf. auch mit Tabletten ausgeglichen werden, wenngleich die Studienlage dazu insgesamt umstritten ist. Vitamin C und Zink können im leichten Infektionsfall hilfreich sein. Allgemein sind aber Nahrungsergänzungsmittel nicht extra erforderlich, da es keinen wissenschaftlichen Beweis für deren tatsächliche Wirkung gibt.

Bei einer Coronainfektion kann es auch weiterhin zu schweren Verläufen mit ausgeprägten Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen, Venenthrombosen, Nierenschäden sowie zu neurologischen Beeinträchtigungen wie Geruchs- und Geschmacksstörungen kommen. Wird die Akutphase überstanden, heilt meist alles (soweit für uns heute erkennbar) folgenlos aus, wenngleich es mitunter etwas dauern kann (siehe auch unten zu Long-COVID).

Vor allem über Herzmuskelentzündungen wurde viel diskutiert, auch im Zusammenhang mit Impfungen (siehe unten). Angaben zu deren Häufigkeit schwanken je nach Studie, aber definitiv kommt es nach einer Coronainfektion deutlich häufiger zu Herzmuskelentzündungen als nach einer Impfung! Wer sich nach einer Infektion noch länger auffallend leistungsschwach fühlt, Herzstolpern oder -rasen verspürt oder auch ungewöhnlichen Druck auf der Brust, sollte sich unbedingt körperlich schonen und im Hinblick auf eine Herzmuskelentzündung untersuchen lassen. In den allermeisten Fällen scheinen die Entzündungen aber folgenlos auszuheilen; Hinweise für auffallend häufige Langzeitschäden am Herzmuskel gibt es zumindest bisher nicht.

Der gehäufte Befall des Herzmuskels erklärt sich durch die Tatsache, dass das Coronavirus für den Eintritt in unsere Körperzellen bestimmte Eiweißstoffe benutzt, die sich auch auf den Herzmuskelzellen befinden. Allerdings: auch andere Viren können zu Herzmuskelentzündungen führen, so dass das Thema grundsätzlich für uns Ärzte nicht neu ist.

Gemäß Fallberichten und kleineren Studien kommt es nach Impfung mit mRNA-basierten Stoffen tatsächlich etwas gehäuft zu Herzmuskelentzündungen. Über diese wird leider fast mehr berichtet als über die statistisch deutlich häufigeren Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Infektion. Insgesamt kommt es nach wie vor außerordentlich selten zu solchen Impffolgen, und in nahezu allen Fällen vergehen die Entzündungen nach 2-3 Tagen wieder und heilen, soweit wir aktuell wissen, folgenlos aus. Ein etwas erhöhtes Risiko scheinen junge Männer aufzuweisen.

Routineuntersuchungen nach einer Impfung ohne Beschwerden sind deshalb aber nicht zu empfehlen. Wer aber Symptome wie ungewohnten Druck im Brustbereich, Herzstolpern oder -rasen oder auch eine starke allgemeine Schwäche verspürt, sollte sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Leider wissen wir mittlerweile aus der täglichen Praxis, dass viele Menschen allgemeine Beschwerden im Umfeld einer Impfung verspüren, bei denen der Zusammenhang nicht immer sicher zu beweisen, aber theoretisch durchaus denkbar ist. Hier gilt es, im Zweifel natürlich lieber einen Arzt zur Klärung aufzusuchen. Angst vor einer Impfung sollte man aber keinesfalls haben – diese wäre deutlich berechtigter vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 selbst.

 

Leider hat sich im Laufe der Pandemie gezeigt, dass bei manchen Betroffenen selbst Wochen oder Monate nach der Infektion mit SARS-CoV-2 keine vollständige körperliche und geistige Erholung eingetreten ist. Auch im Leistungssport ist dies ein Thema. Es kommt zu fortgesetzter Leistungsschwäche, uncharakteristischen Allgemeinsymptomen, neurologischen oder auch psychologischen Beschwerden. Für diese Fälle hat sich der Begriff des Post- oder Long-COVID-Syndroms etabliert. Darunter versteht man folgende Symptome nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus:

  • Alle Symptome, die aus der akuten Covid-19-Phase oder deren Behandlung fortbestehen
  • Alle Symptome, die zu einer neuen gesundheitlichen Einschränkung geführt haben
  • Neue Symptome, die nach dem Ende der akuten Covid-19-Phase aufgetreten sind, aber als Folge der Covid-19-Erkrankung verstanden werden
  • Eine bestehende Grunderkrankung, die sich nach der Infektion verschlechtert hat

Mittlerweile haben sich einige Einrichtungen auf die Behandlung betroffener Patienten spezialisiert, wobei hier klar gesagt werden muss, dass es noch keine spezifische ursächliche Therapie gibt. Auch wurden bereits eine sogenannte Leitlinie erstellt, die standardisierte Behandlungswege empfiehlt (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-027p_S1_Post_COVID_Long_COVID_2021-12.pdf)

Anzumerken ist, dass derartige Langzeitbeschwerden durchaus auch nach anderen Viruserkrankungen auftreten. Ob dies speziell nach Corona tatsächlich häufiger ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden, aber einiges deutet darauf hin, dass SARS-CoV-2 offenbar ein relativ hohes Risiko für Langzeitsymptome aufweist.

Allgemein empfehlen wir, auf jeden Fall einen Checkup durchführen zu lassen, wenn man sich auch einige Wochen nach der Covid-19-Erkrankung weiterhin ungewohnt leistungsschwach und müde fühlt (siehe oben).

 

Die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus und Sport:

Die Länge der Sportpause nach einer Corona-Infektion richtet sich mittlerweile in erster Linie nach dem individuellen Krankheitsverlauf. Man unterteilt diesen zur besseren Einschätzung in „asymptomatisch“, „mild“, „moderat“ und „schwer“:

  • Asymptomatisch: komplett fehlende Beschwerden oder allenfalls geringer Schnupfen ≤ 3 Tage
  • Mild: geringes Fieber (< 38,5 °C), leichter Husten, Halsschmerzen, leichtes Krankheitsgefühl und Unwohlsein, Schnupfen > 3 Tage; keine Kurzatmigkeit und keine Herzbeschwerden (Stolpern, Herzrasen, Brustschmerzen)
  • Moderat: starkes Krankheitsgefühl, anhaltende Müdigkeit, Kurzatmigkeit in Ruhe, Fieber > 38,5 °C, Kopf-, Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Übelkeit oder Durchfall, Husten ≥ 3 Tage, Herzbeschwerden (Stolpern, Herzrasen, ungewohnte Brustschmerzen)
  • Schwer: eine Krankenhausbehandlung ist erforderlich

Bei asymptomatischem Verlauf wird aktuell nur noch eine Pause von 3 Tagen nach der Diagnosestellung (also nach positivem Test) empfohlen, in Einzelfällen ggf. auch nur eine reduzierte sportliche Belastung. Bei mildem Verlauf kann mit dem Training begonnen werden, wenn man an 3 aufeinanderfolgenden Tagen wieder beschwerdefrei ist. Bei moderaten oder schweren Verläufen wird zwar ebenfalls eine Zeit von mindestens 3 Tagen Beschwerdefreiheit vorausgesetzt, mit dem Training sollte aber weiterhin nur nach einer ärztlichen Untersuchung begonnen werden. Nach einer diagnostizierten Lungenentzündung sollte mindestens einen Monat, bei einer tatsächlich nachgewiesenen Herzmuskelentzündung mindestens drei Monate mit zumindest intensiverem Sport gewartet werden. Auch hier ist eine ärztliche Freigabe zwingend erforderlich (siehe unten).

Natürlich ist eine Einteilung der Beschwerden in eine der genannten Gruppen nicht immer leicht, da sich Symptome auch überlappen oder individuell auch unterschiedlich empfunden werden können. Im Zweifel gilt daher: lieber stuft man sich etwas höher ein und wartet einige Tage länger, bis das Training wieder aufgenommen wird.

Dies hängt sehr stark von der Sportart und der individuellen Belastbarkeit ab und lässt sich nicht ganz pauschal beantworten. Viele betreiben allerdings vorwiegend Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren. In diesen Fällen sollte stets locker im niedrig-intensiven Bereich begonnen werden, d.h. man steigert in der Regel zunächst die Umfänge der sportlichen Einheiten auf niedrigem Belastungs- bzw. Pulsniveau, bevor allmählich wieder höhere Intensitäten in Form von Intervallen eingestreut werden. Beim Kraftsport legt man parallel zunächst geringere Gewichte auf und erhöht die Zahl der Wiederholungen, bevor wieder höhere, gewohnte Gewichte versucht werden. In Spielsportarten hält man sich bei den ersten Trainingseinheiten noch zurück, testet diese langsam an und legt immer wieder Pausen ein. Dies muss bei Bedarf auch offen mit Trainern besprochen werden, um Überforderungen zu vermeiden.

Generell sollte stets gut auf die subjektive Befindlichkeit geachtet werden. Bei Beschwerdefreiheit ist eine Steigerung in gewohnte Belastungen aber in der Regel innerhalb von 1-2 Wochen wieder möglich. Wettkämpfe oder Spiele sollten allerdings erst frühestens 10 Tage nach Krankheitsende wieder durchgeführt werden.

Häufig dauert die allgemeine Erholungsphase nach dem Infekt allerdings auch länger. Viele Patienten fühlen sich teils noch über Wochen müde, schnell erschöpft und deutlich weniger leistungsfähig (siehe auch oben zu Long-COVID). In solchen Fällen sind teils auch längere Sportpausen oder deutlich langsamere Steigerungen der Trainingsintensität je nach subjektivem Empfinden erforderlich. Wichtig ist dabei, dass es prinzipiell „bergauf“ geht und keine erneute Verschlechterung eintritt.

Ähnlich wie die Länge der Sportpause hängt auch dies in erster Linie vom individuellen Krankheitsverlauf ab. Nach asymptomatischen oder milden Verläufen (siehe oben) wird eine Untersuchung mittlerweile zumindest nicht mehr zwingend empfohlen. Sie kann aber auch hier sinnvoll sein, wenn jemand sich unsicher ist oder die Sportpause verkürzen muss bzw. möchte (wenn z.B. ein wichtiger Wettkampf bevorsteht). Bei moderaten und schweren Verläufen sowie nach Lungenentzündungen oder bewiesenen Herzmuskelentzündungen sollte nach wie vor stets eine ärztliche Vorstellung erfolgen, bevor das Training wieder aufgenommen wird.

Eine solche ist stets auch anzuraten, wenn Beschwerden wie ungewöhnliche Kurzatmigkeit, anhaltende Leistungsschwäche, Herzstolpern oder -rasen oder unklarer, bislang unbekannter Brustschmerz vorliegt. Zudem wird eine ärztliche Untersuchung empfohlen, wenn unter dem Trainingsbeginn wieder neue Beschwerden auftreten oder sich die Belastbarkeit nach vorübergehender Besserung wieder auffallend verschlechtert.

Ähnlich wie bei der Länge der Sportpause gilt auch hier: Beschwerden werden sehr unterschiedlich wahrgenommen, und nicht immer lässt sich ein Krankheitsverlauf klar in eine der oben genannten Schweregrade einteilen. Im Zweifel sollte man sich daher lieber etwas höher einstufen und ärztlichen Rat einholen.

Die Inhalte einer ärztlichen Untersuchung nach einer Corona-Infektion hängen ebenfalls von der Schwere des Krankheitsverlaufes ab. Als wichtige Basisuntersuchungen gelten ein ausführliches ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung, ein Ruhe-EKG sowie Laboranalysen (Blutbild, Entzündungs-, Leber- und Nierenwerte, ggf. Herzenzyme). Dies kann prinzipiell auch hausärztlich erfolgen. Spätestens bei stärkeren Verläufen vor allem mit Symptomen wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Herzstolpern oder -rasen sowie bei individueller Unsicherheit und bei intensiv betriebenem Sport empfiehlt sich aber ein größerer Check beim Sportkardiologen.

Ein solcher sportkardiologischer Check besteht ebenfalls aus einem ausführlichen Gespräch, einer detaillierten körperlichen Untersuchung, Laboruntersuchungen mit Herzenzymen und Ruhe-EKG, schließt aber weiterhin noch einen Herzultraschall, eine Lungenfunktionsprüfung sowie einen Belastungstest mit Spiroergometrie (Atemgasmessung unter Belastung) ein. Somit können die wichtigsten sportrelevanten Organfunktionen eingehend überprüft werden. Auch ein begleitender Laktattest kann sehr sinnvoll sein; mit diesem können geeignete Trainingsintensitäten für den Wiederbeginn ermittelt werden.

Weitere Untersuchungen wie z.B. ein Kernspin (MRT) des Herzens oder ein Röntgenbild bzw. Computertomogramm (CT) der Lunge sind nur bei Auffälligkeiten im sportkardiologischen Check sinnvoll und werden nicht routinemäßig durchgeführt.

Grundsätzlich raten wir zur Durchführung der Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus gemäß den Empfehlungen der STIKO. Eine Präferenz für bestimmte Präparate sehen wir aktuell nicht, aber die mRNA-basierten Impfstoffe haben sich mittlerweile allgemein durchgesetzt und werden in aller Regel auch gut vertragen. Welche Impfungen in Zukunft für wen und in welchen Abständen sinnvoll sind oder welche Diagnostik zur Kontrolle des Impferfolgs sinnvoll ist, wird die weitere Entwicklung zeigen. Wichtig vor allem für Ältere und Herzpatienten ist die zusätzliche Grippeimpfung im Herbst, zudem sollten Personen über 60 Jahre einen Schutz gegen Pneumokokken aufweisen.

Wird eine Impfung gut vertragen, d.h. ohne Allgemeinsymptome oder gar Fieber, kann rasch (also innerhalb 2-3 Tagen) wieder mit Sport in gewohnter Art und Weise begonnen werden; wir empfehlen, zumindest den Tag nach der Impfung bezüglich der Verträglichkeit abzuwarten. Tritt Fieber auf oder kommt es zu stärkeren Krankheitsgefühlen, sollte 3 Tage nach Abklingen von Symptomen und Normalisierung der Körpertemperatur gewartet werden, bevor das Training wieder aufgenommen wird. Auf spezifische Belastungen des Armes, in den der Impfstoff gespritzt wurde, sollte allgemein 2-3 Tage verzichtet werden.

Wir hoffen sehr, dass wir einige wichtige Fragen rund um die derzeitige Corona-Krise für Sie beantworten konnten.

Das Wichtigste ist: Bleiben Sie gesund, achten Sie bitte sehr auf sich, verfolgen Sie die Anweisungen, die uns die Experten geben – nur so können wir einen hoffentlich sicheren und guten Weg aus der Krise finden.