Update: Coronavirus (COVID-19)

Update zum Thema
"Coronavirus (COVID-19)"

Liebe Sportler/innen und Patient/innen,

seit dem Frühjahr 2019 hat uns die Corona-Pandemie in Atem gehalten. Nach wie vor birgt eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus ein hohes Krankheitsrisiko und schränkt weiterhin noch viele Dinge des täglichen Lebens ein. Bedingt durch größere Erfahrungen im Umgang mit dem Virus sowie vor allem der Möglichkeit einer Impfung scheint allmählich aber eine Art Normalität einzukehren, und aktuell besteht eine gewisse Hoffnung, dass die schlimmste Phase der Pandemie vielleicht überstanden ist.

Wenngleich viele Aspekte zur SARS-CoV-2-Infektion mittlerweile bekannt und in den Alltag integriert sind, bestehen weiterhin noch Fragen rund um die Erkrankung, den Impfschutz und vor allem bezüglich sportlicher Aktivitäten. So werden wir zum Beispiel noch häufig zum Thema Herzmuskelentzündungen nach Coronainfektion oder auch nach einer Impfung im Zusammenhang mit Sport befragt.

Wir möchten daher auf dieser Seite den aktuellen Stand zu den wichtigsten Themenbereichen rund um COVID-19 für Sie zusammenfassen und Empfehlungen aussprechen. Dies ersetzt natürlich nicht eine umfassende persönliche Beratung und Untersuchung, so dass wir weiterhin für Sie mit unseren „Corona-Checks“ und sportkardiologischen Untersuchungen gerne zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus, Herzerkrankungen und Sport:

Grundsätzlich gelten auch weiterhin alle chronischen Erkrankungen, die zu einer Schwächung des Immunsystems führen, zu den besonderen Risikoerkrankungen für eine Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2). Auch höhere Altersgruppen sind generell weiterhin besonders gefährdet. Durch die flächendeckende Impfung hat sich das Erkrankungsalter im Laufe der Pandemie allerdings „verjüngt“, so dass auch auf den Intensivstationen vermehrt jüngere Menschen behandelt werden und leider auch teilweise an der Infektion versterben. Schwere Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen sind allerdings selten, wobei wir dies nicht als Gegenargument gegen einen Impfschutz in dieser Altersgruppe betrachten (siehe unten).

Dagegen wurde mittlerweile durch Studien sicher ausgeschlossen, dass die Einnahme bestimmter Blutdrucktabletten das Infektionsrisiko erhöht. Daher sollten alle Medikamente unverändert weiter eingenommen werden. Leider haben andere Untersuchungen aber gezeigt, dass z.B. chronische Herzleiden oder Krebserkrankungen in Pandemie-Zeiten schlechter versorgt wurden, da viele Patient/innen gezögert haben, sich in entsprechende Behandlungen zu begeben. Dies kann sehr gefährlich sein! Bitte suchen Sie unbedingt auch weiter ärztliche Hilfe auf, ggf. auch im Krankenhaus – mittlerweile sind dort ausreichende Schutzmaßnahmen vorhanden.

Abstandsregelungen, regelmäßige Belüftungen, Händedesinfektion und natürlich das Tragen von Masken sind mittlerweile Alltag; die nächsten Monate werden zeigen, inwieweit diese Maßnahmen noch notwendig sind. Bitte halten Sie sich aber weiterhin an die offiziellen Empfehlungen, denn wir alle wollen unbedingt einen möglichst endgültigen Weg aus der Pandemie finden.

Sport ist und bleibt eine der wichtigsten und gesündesten Maßnahmen, um sich vor Infektionen und deren Aus- und Nachwirkungen zu schützen. Zahlreiche Studien konnten mittlerweile zeigen, dass „fitte“ Menschen sich weniger anstecken oder zumindest weniger schwere Krankheitsverläufe ausweisen. Neben regelmäßiger sportlicher Aktivität sollte auch eine gesunde und frische, pflanzlich-mediterran orientierte Ernährung reich an Obst und Gemüse Teil der täglichen Routine sein. Ein schwerer Vitamin D-Mangel sollte unserer Ansicht nach ggf. auch mit Tabletten ausgeglichen werden, wenngleich die Studienlage dazu insgesamt umstritten ist. Vitamin C und Zink können im leichten Infektionsfall hilfreich sein. Allgemein sind aber Nahrungsergänzungsmittel nicht extra erforderlich, da es keinen wissenschaftlichen Beweis für deren tatsächliche Wirkung gibt.

Bei einer Coronainfektion kann es auch weiterhin zu schweren Verläufen mit ausgeprägten Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen, Venenthrombosen, Nierenschäden sowie zu neurologischen Beeinträchtigungen wie Geruchs- und Geschmacksstörungen kommen. Wird die Akutphase überstanden, heilt meist alles (soweit für uns heute erkennbar) folgenlos aus, wenngleich es mitunter etwas dauern kann (siehe auch unten zu Long-COVID).

Vor allem über Herzmuskelentzündungen wurde viel diskutiert, auch im Zusammenhang mit Impfungen (siehe unten). Angaben zu deren Häufigkeit schwanken je nach Studie, aber definitiv kommt es nach einer Coronainfektion deutlich häufiger zu Herzmuskelentzündungen als nach einer Impfung! Wer sich nach einer Infektion noch länger auffallend leistungsschwach fühlt, Herzstolpern oder -rasen verspürt oder auch ungewöhnlichen Druck auf der Brust, sollte sich unbedingt körperlich schonen und im Hinblick auf eine Herzmuskelentzündung untersuchen lassen. In den allermeisten Fällen scheinen die Entzündungen aber folgenlos auszuheilen; Hinweise für auffallend häufige Langzeitschäden am Herzmuskel gibt es zumindest bisher nicht.

Der gehäufte Befall des Herzmuskels erklärt sich durch die Tatsache, dass das Coronavirus für den Eintritt in unsere Körperzellen bestimmte Eiweißstoffe benutzt, die sich auch auf den Herzmuskelzellen befinden. Allerdings: auch andere Viren können zu Herzmuskelentzündungen führen, so dass das Thema grundsätzlich für uns Ärzte nicht neu ist.

Die Länge der Sportpause nach einer COVID-19-Erkrankung richtet sich in erster Linie nach dem individuellen Verlauf und der Schwere der Erkrankung. Ganz allgemein wird geraten, im Mittel ca. 2-4 Wochen nach Abklingen der Symptome wieder mit dem Training zu beginnen, je nach subjektivem Befinden. Bei kurzen Infekten mit nur milden Symptomen kann dies ggf. auch kürzer sein (7-10 Tage), unter der Voraussetzung kompletter Beschwerdefreiheit und normaler Körpertemperatur seit 5 Tagen). Es sollte stets locker im niedrig-intensiven Bereich begonnen werden, bei gutem Befinden ist eine Steigerung in gewohnte Belastungen aber innerhalb 1-2 Wochen möglich. Häufig dauert die allgemeine Erholungsphase nach dem Infekt aber länger; viele Patienten fühlen sich teils noch über Wochen müde, schnell erschöpft und deutlich weniger leistungsfähig (siehe auch unten zu Long-COVID). In solchen Fällen sind teils auch längere Sportpausen oder deutlich langsamere Steigerungen der Trainingsintensität je nach subjektivem Empfinden erforderlich. Nach einer diagnostizierten Lungenentzündung sollte mindestens einen Monat, bei einer tatsächlich nachgewiesenen Herzmuskelentzündung mindestens drei Monate mit zumindest intensiverem Sport gewartet werden.

In solchen Fällen ist es zwingend, in weniger schweren Verläufen zumindest sehr sinnvoll, vor Trainingsbeginn einen sportkardiologischen Check durchführen zu lassen, vor allem wenn intensivere sportliche Belastungen verfolgt werden. Ein solcher Check besteht aus einem ausführlichen Gespräch, einer detaillierten körperlichen Untersuchung, Laboruntersuchungen, EKG, Herzultraschall, Lungenfunktionsprüfung und Belastungstest mit Spiroergometrie (Atemgasmessung unter Belastung) und ggf. auch einer Laktatmessung. Somit können die wichtigsten sportrelevanten Organfunktionen eingehend überprüft und ggf. auch gleich die geeignete Trainingsintensität für den Wiederbeginn ermittelt werden.

Grundsätzlich raten wir zur Durchführung einer Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus für die von der STIKO empfohlenen Zielgruppen, also explizit auch für Jugendliche. Eine Präferenz für bestimmte Präparate sehen wir aktuell nicht, aber die mRNA-basierten Impfstoffe scheinen sich allgemein durchzusetzen und werden in aller Regel auch gut vertragen. Welche Impfungen in Zukunft für wen und in welchen Abständen sinnvoll sind oder welche Diagnostik zur Kontrolle des Impferfolgs sinnvoll ist, wird die weitere Entwicklung zeigen. Wichtig vor allem für Ältere und Herzpatienten ist die zusätzliche Grippeimpfung im Herbst, zudem sollten Personen über 60 Jahre einen Schutz gegen Pneumokokken aufweisen.

Wird eine Impfung gut vertragen, d.h. ohne Allgemeinsymptome oder gar Fieber, kann rasch (also innerhalb 2-3 Tagen) wieder mit Sport in gewohnter Art und Weise begonnen werden; wir empfehlen, zumindest den Tag nach der Impfung bezüglich der Verträglichkeit abzuwarten. Tritt Fieber auf oder kommt es zu stärkeren Krankheitsgefühlen, sollte 5 Tage nach Abklingen von Symptomen und Normalisierung der Körpertemperatur gewartet werden, bevor das Training wieder aufgenommen wird. Auf spezifische Belastungen des Armes, in den der Impfstoff gespritzt wurde, sollte allgemein 2-3 Tage verzichtet werden.

Gemäß Fallberichten und kleineren Studien kommt es nach Impfung mit mRNA-basierten Stoffen tatsächlich etwas gehäuft zu Herzmuskelentzündungen. Über diese wird leider fast mehr berichtet als über die statistisch deutlich häufigeren Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Infektion. Insgesamt kommt es nach wie vor außerordentlich selten zu solchen Impffolgen, und in nahezu allen Fällen vergehen die Entzündungen nach 2-3 Tagen wieder und heilen, soweit wir aktuell wissen, folgenlos aus. Ein etwas erhöhtes Risiko scheinen junge Männer aufzuweisen.

Routineuntersuchungen nach einer Impfung ohne Beschwerden sind deshalb aber nicht zu empfehlen. Wer aber Symptome wie ungewohnten Druck im Brustbereich, Herzstolpern oder -rasen oder auch eine starke allgemeine Schwäche verspürt, sollte sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Leider wissen wir mittlerweile aus der täglichen Praxis, dass viele Menschen allgemeine Beschwerden im Umfeld einer Impfung verspüren, bei denen der Zusammenhang nicht immer sicher zu beweisen, aber theoretisch durchaus denkbar ist. Hier gilt es, im Zweifel natürlich lieber einen Arzt zur Klärung aufzusuchen. Angst vor einer Impfung sollte man aber keinesfalls haben – diese wäre deutlich berechtigter vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 selbst.

 

Leider hat sich im Laufe der Pandemie gezeigt, dass bei manchen Betroffenen selbst Wochen oder Monate nach der Infektion mit SARS-CoV-2 keine vollständige körperliche und geistige Erholung eingetreten ist. Auch im Leistungssport ist dies ein Thema. Es kommt zu fortgesetzter Leistungsschwäche, uncharakteristischen Allgemeinsymptomen, neurologischen oder auch psychologischen Beschwerden. Für diese Fälle hat sich der Begriff des Post- oder Long-COVID-Syndroms etabliert. Darunter versteht man folgende Symptome nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus:

  • Alle Symptome, die aus der akuten Covid-19-Phase oder deren Behandlung fortbestehen
  • Alle Symptome, die zu einer neuen gesundheitlichen Einschränkung geführt haben
  • Neue Symptome, die nach dem Ende der akuten Covid-19-Phase aufgetreten sind, aber als Folge der Covid-19-Erkrankung verstanden werden
  • Eine bestehende Grunderkrankung, die sich nach der Infektion verschlechtert hat

Mittlerweile haben sich einige Einrichtungen auf die Behandlung betroffener Patienten spezialisiert, wobei hier klar gesagt werden muss, dass es noch keine spezifische ursächliche Therapie gibt. Auch wurden bereits eine sogenannte Leitlinie erstellt, die standardisierte Behandlungswege empfiehlt (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-027l_S1_Post_COVID_Long_COVID_2021-07.pdf)

Anzumerken ist, dass derartige Langzeitbeschwerden durchaus auch nach anderen Viruserkrankungen auftreten. Ob dies speziell nach Corona tatsächlich häufiger ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden, aber einiges deutet darauf hin, dass SARS-CoV-2 offenbar ein relativ hohes Risiko für Langzeitsymptome aufweist.

Allgemein empfehlen wir, auf jeden Fall einen Checkup durchführen zu lassen, wenn man sich auch einige Wochen nach der Covid-19-Erkrankung weiterhin ungewohnt leistungsschwach und müde fühlt (siehe oben).

 

Wir hoffen sehr, dass wir einige wichtige Fragen rund um die derzeitige Corona-Krise für Sie beantworten konnten.

Das Wichtigste ist: Bleiben Sie gesund, achten Sie bitte sehr auf sich, verfolgen Sie die Anweisungen, die uns die Experten geben – nur so können wir einen hoffentlich sicheren und guten Weg aus der Krise finden.