Post-COVID-Syndrom

Diagnose „Post-COVID-Syndrom“

Wenn man sich nach einer Corona-Infektion nicht erholt
Es ist mittlerweile bekannt, dass eine SARS-CoV-2-Infektion über eine reine Infektion der Atemwege hinaus auch andere Organe in unterschiedlicher Form betreffen kann. Aus diesem Grund empfehlen wir gerade vor dem Beginn sportlicher Aktivitäten ein „Corona-Check“ von Lunge, Herz und ggf. weiteren Organen.
Doch selbst bei unauffälligen Befunden in diesen Checks fühlen sich SportlerInnen und PatientInnen oft noch wochenlang erschöpft und haben das Gefühl, nur ganz allmählich oder manchmal auch gar nicht mehr richtig auf die Beine zu kommen. In diesen Fällen spricht man vom Post-COVID-Syndrom. Wir beantworten Ihnen einige wichtige Frage rund um dieses Thema:

Die wichtigsten Fragen rund um das Post-COVID-Syndrom:

Eine exakte wissenschaftliche Definition dafür gibt es noch nicht. Das Syndrom ist eher ein Oberbegriff für anhaltende Beschwerden nach einer Corona-Infektion, bei denen es sich meist um Atem- oder Muskelbeschwerden, Erschöpfungszustände, ungewöhnliche Müdigkeit und Schlappheit, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch innere Unruhe handelt. Auch werden psychische Störungen wie Depressionen eingeschlossen, welche gar nicht immer mit der Krankheit selbst, sondern mit den allgemeinen Folgen der Pandemie wie Kontaktbeschränkung und Isolationsgefühl zu tun haben. Der Begriff ist also nicht über eine bestimmte Organveränderung definiert, sondern beschreibt eine verzögerten Erholungsprozess des Körpers und auch der Psyche nach COVID-19.

Dies ist noch nicht genau bekannt, zumal sich die Beschwerden von Mensch zu Mensch auch unterschiedlich äußern können und manchmal auch psychische Folgen rund um den Lockdown eine Rolle spielen können. Im Wesentlichen ist davon auszugehen, dass das Immunsystem des Menschen durch die SARS-CoV-2-Infektion zumindest in manchen Fällen stärker in Anspruch genommen wird, als man es vielleicht vom eigentlichen Krankheitsverlauf erwarten würde. Die Beschwerden können also durchaus auch auftreten, wenn die Symptome der Corona-Infektion selbst eher gering waren. Wichtig ist allerdings dabei, dass eine ernsthafte Organerkrankung sicher ausgeschlossen ist, denn z.B. auch eine Herzmuskelentzündung mit reduzierter Pumpkraft des Herzens kann eine andauernde Erschöpfung hervorrufen.

Aktuell werden alle Krankheitserscheinungen rund um das neuartige Coronavirus besonders genau und vorsichtig betrachtet, weil wir immer noch Erfahrungen und statistische Daten sammeln und die genauen Auswirkungen noch nicht kennen; vor allem auch langfristig gesehen noch nicht. Ob anhaltende Erschöpfungszustände oder auch Organerkrankungen wie eine Herzmuskelentzündung letztlich wirklich besonders häufig nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten, lässt sich also noch gar nicht mit Sicherheit sagen. Tatsächlich ist es leider nicht ungewöhnlich, dass auch nach anderen Infektion ähnliche Beschwerden vorkommen, so zum Beispiel nach einer Epstein-Barr- oder einer Grippe-Infektion. Auch hier können teils noch Monate oder gar Jahre später Erschöpfungszustände oder organische Folgeschäden beobachtet werden, sogar auch Herzmuskelentzündungen sind möglich, wenn zum Glück auch sehr selten. Allerdings ist es dann manchmal nicht leicht, wirklich noch einen ursächlichen Zusammenhang zu beweisen.

Somit ist das Post-COVID-Syndrom wahrscheinlich eher in einem allgemeinen Zusammenhang nach Virus- oder anderen Infektionen zu sehen und nicht Corona-spezifisch, aber das werden wir erst mit der Zeit besser verstehen. Bis dahin ist einfach größere Vorsicht geboten, um potenziell gefährliche Folgen nicht zu übersehen bzw. um die Beschwerden besser einordnen zu können.

Allgemein sollte man derzeit lieber einmal mehr zu einem Arzt gehen als zu wenig, wenn man sich noch Wochen nach einer COVID-Erkrankung schlapp und müde fühlt. Ob dies rückblickend in einigen Jahren „übertrieben“ war, kann man jetzt noch nicht vorhersehen, und das hilft uns aktuell auch nicht weiter. Grundsätzlich ist es, wie von uns an anderer Stelle der Website schon gesagt, immer wichtig, gerade vor sportlichen Aktivitäten einen Check nach einer Corona-Infektion durchführen zu lassen. Wenn man einen unauffälligen Corona-Check durchlaufen hat, kann man in der Summe erst einmal für 1-2 Monate abwarten und sich dabei recht sicher sein, dass hinter einer andauernden Müdigkeit kein spezifischer Organschaden steckt. Allerdings sollten z.B. alle akuten oder langsam zunehmenden Zustände von Kurzatmigkeit oder erneute deutliche Leistungsverluste nach vorheriger Besserung Anlass geben, unbedingt noch einmal Rücksprache mit einem Arzt zu halten. Auch wieder aufflammendes Fieber oder deutliche Glieder- und Kopfschmerzen mit allgemeinem Krankheitsgefühl gehören zu den Warnzeichen, wie auch ungewöhnlicher Brustschmerz oder Herzstolpern.

Ein unauffälliger Corona-Check ist in jedem Fall ein wichtiges erstes Zeichen, dass in der Akutphase der Infektion keine erkennbaren größeren Folgeschäden z.B. an Herz und Lunge aufgetreten sind. Somit ist dies schon einmal eine wichtige „Entwarnung“ und auch eine Voraussetzung, mit dem Sport wieder beginnen zu können. Dass man dabei nicht sofort wieder hochintensiv einsteigt, sollte fast selbstverständlich sein; dies lässt der über vielleicht einige Wochen untrainierte Körper oft auch gar nicht zu. Wichtig ist der allmähliche Wiedereinstieg im Grundlagenausdauer-Bereich, bei dem zum Beispiel Trainingsempfehlungen aus dem Corona-Check oder auch das subjektive Empfinden hilfreich sind. Wie oben schon gesagt hängt die Erholung auch nicht immer mit der Schwere des Krankheitsverlaufs zusammen – so kann jemand mit einem schweren Infektionsverlauf z.B. trotzdem wieder schneller belastbar sein als jemand, der nur wenige Symptome hatte.

Wenn man sich also noch müde und erschöpft fühlt, muss man auf die Signale des Körpers hören und ihm beim Sport einfach mehr Zeit geben, was durchaus auch mehrere Wochen dauern kann. Mit der Zeit würde man aber doch eine allmähliche Leistungsverbesserung erwarten – bleibt diese nach 2-3 Monaten komplett aus (oder wird sie gar wieder schlechter!), sollte noch einmal mit einem Arzt gesprochen werden.

Ein plötzlicher Herztod gehört zu den tragischsten Ereignissen in der Medizin und kündigt sich, wie das Wort bereits sagt, im Vorfeld meist auch nicht durch bestimmte Warnzeichen an bzw. werden solche auch nicht immer ernst genommen. Dies bereitet vielen Menschen verständlicherweise daher besondere Sorgen. Tatsächlich berichten viele Patienten derzeit, im Bekanntenkreis von teils auch sehr jungen und vermeintlich ansonsten gesunden Menschen gehört zu haben, die einige Wochen nach einer Corona-Infektion plötzlich tot umgefallen oder morgens nicht mehr aufgewacht sind.

Mit allerletzter Konsequenz lässt sich das nicht verhindern, und noch wissen wir auch nicht, ob es überhaupt einen Zusammenhang zur COVID-Erkrankung in diesen Fällen gibt. Man darf leider nicht vergessen, dass auch in Deutschland immer noch jedes Jahr ca. 100.000 Menschen einen plötzlichen Herztod erleiden, ganz unabhängig von Corona, so dass ein zeitlicher Zusammenhang auch rein zufällig sein kann und in Wirklichkeit andere Erkrankungen wie z.B. ein Herzinfarkt eine Rolle spielen könnten. Zwar ist laut einer kürzlichen US-amerikanischen Studie tatsächlich während der Corona-Pandemie eine erhöhte Rate an plötzlichen Herztoden festgestellt worden, aber dies könnte auch ganz andere Hintergründe haben. So könnte es zum Beispiel sein, dass Menschen aus Sorge vor Corona oder überfüllten Krankenhäusern weniger zum Arzt gehen und eventuelle Warnzeichen im Vorfeld ignorieren.

Nichtsdestotrotz gilt auch hier wieder das, was weiter oben schon angesprochen wurde: wir benötigen hier weitere Erkenntnisse, und nicht erst seit SARS-CoV-2 wissen wir, dass durch Viren grundsätzlich auch Herzmuskelentzündungen ausgelöst werden können, welche wiederum tatsächlich auch erst Wochen oder Monate später zu allmählichen oder leider auch plötzlichen Symptomen führen können.

Es gibt dazu sehr unterschiedliche Meinungen ohne eine derzeitige klare und allgemeingültige Empfehlung. Nicht nur die Ausprägung der Symptome, sondern auch der Grund des Arztbesuches (Beschwerden, Check-up, Sportbeginn), die individuelle Einstellung zur eigenen Gesundheit oder eventuelle Vorerkrankungen spielen eine Rolle. Verpflichtend ist ein Arztbesuch nach SARS-CoV-2-Infektion sowieso nicht. Dennoch ist es sehr sinnvoll, aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ca. 2-4 Wochen nach einer überstandenen SARS-CoV-2-Infektion zu einem Corona-Check zu gehen, vor dem Beginn sportlicher Aktivitäten in jedem Fall. Sind alle Befunde unauffällig, gibt es erst einmal keinen absolut konkreten Grund, noch einmal zum Arzt zu gehen, siehe dazu aber auch die obenstehenden Ausführungen. Aufgrund der derzeit noch etwas unklaren Lage, auch in Bezug auf das Post-COVID-Syndrom, empfehlen wir mittlerweile aber selbst gesunden SportlerInnen und PatientInnen, ca. 2-3 Monate nach der ersten Untersuchung zumindest noch einmal ein EKG, Laborwerte, eine Lungenfunktionsuntersuchung und ein Herzultraschall durchführen zu lassen, um eventuelle Spätfolgen, besonders auch Hinweise auf eine schleichende Herzmuskelentzündung, nicht zu übersehen. Alles weitere hängt von den Befunden selbst und von den weiteren Symptomen ab und muss individuell mit dem Arzt festgelegt werden.

Wir hoffen sehr, dass wir einige wichtige Fragen rund um die derzeitige Corona-Krise für Sie beantworten konnten. Das Wichtigste ist: Bleiben Sie gesund, achten Sie bitte sehr auf sich, verfolgen Sie die Anweisungen, die uns die Experten geben – nur so können wir einen hoffentlich sicheren und guten Weg aus der Krise finden.

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