Sport nach COVID-19

Gesundheit und Sport nach COVID-19

Wissenswertes nach überstandener Corona-Infektion (SARS-CoV-2-Infektion)
Die Corona-Pandemie bestimmt seit Monaten massiv unser Alltagsleben. Neben der weiteren Ausbreitung der Erkrankung steigt aber parallel auch die Zahl der Menschen, die eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus, also eine COVID-19-Erkrankung, durchgemacht und zum Glück überstanden haben. Doch was kommt danach? Ist man wieder vollständig gesund? Und wann kann man sich wieder sportlich belasten und in ein ambitioniertes oder gesundheitsorientiertes Training einsteigen? Welche möglichen Risiken müssen beachtet werden? Kann es auch Probleme geben, wenn man nur leichte oder sogar gar keine Krankheitssymptome hatte? Welche Untersuchungen sind wichtig und wie kann ich meine Sporttauglichkeit ermitteln lassen?
Zu diesen und weiteren Fragen rund um die Themen Sport, Herz und Check-up nach Corona möchten wir Ihnen auf dieser Seite hilfreiche und praktische Informationen geben.

Sport nach Corona: was ist jetzt zu beachten?

In den letzten Monaten haben wir vieles über die verschiedenen Krankheitsverläufe einer Infektion mit SARS-CoV-2 gelernt. Manche Menschen haben nur geringe Erkältungs-Beschwerden; sicher haben Sie aber schon gehört, dass das Virus auch andere Organe wie Herz und Lunge zum Teil sehr schwer befallen kann. Gerade diese Organe werden beim Sport aber stark beansprucht, daher ist die Erkennung eventueller Folgeschäden für ein gesundes, sicheres und erfolgreiches Training essenziell.

Wenn Sie nach einer überstandenen Corona-Infektion Ihre sportlichen Aktivitäten wieder aufnehmen möchten, sollte Ihre Gesundheit und Sporttauglichkeit daher unbedingt vorher von einem sportmedizinisch und kardiologisch versierten Arzt ermittelt werden. Im Fokus stehen dabei die Untersuchungen von

  • Herz-Kreislaufsystem
  • Lungenfunktion
  • weiterer allgemeiner Organfunktionen
  • körperlicher Belastbarkeit
  • Ermittlung geeigneter Trainingszonen

Eine solche Untersuchung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin allen Sportlern und körperlich aktiven Menschen (natürlich auch Menschen, die aktiver werden möchten!) (Quelle: German Journal of Sports Medicine).

Dieser Check kann in unserer Praxis durchgeführt werden – vereinbaren Sie gerne einen Termin.

Die wichtigsten Fragen nach einer überstandenen Corona-Infektion:

Anfangs wurde das neuartige Coronavirus noch hauptsächlich als Verursacher einer typischen viralen Atemwegserkrankung angesehen. Mit steigenden Infektionszahlen zeigte sich dann aber immer deutlicher, dass auch andere Organe des Körpers von der Infektion schwer betroffen sein können. So kommt es recht häufig zu ausgeprägten Lungenentzündungen, die sich manchmal nur langsam zurückbilden und teils noch nach Monaten auf Röntgen- oder CT-Bildern zu sehen sind. Sehr häufig scheint auch der Herzmuskel betroffen zu sein, was man vor allem an Erhöhungen spezieller Blutmarker wie dem Troponin sieht. Es ist aktuell noch unklar, wie häufig dies sogar zu bleibenden Herzschäden führt in Form von chronischen Herzmuskel-Entzündungen oder Herzmuskelnarben. Weitere Begleiterkrankungen sind z.B. vermehrte Venenthrombosen, neurologische Beeinträchtigungen wie Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie Nierenschäden. Bei wem sich solche Erkrankungen oder langfristige Folgeschäden entwickeln, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Sie werden auch nicht immer verspürt, so dass zum Beispiel auch „stumme“ Herzmuskelentzündungen vorkommen können, die sich dann erst später durch Herzrhythmusstörungen oder eine Herzmuskelschwäche bemerkbar machen.

Die Zahl der Patienten, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben, steigt stetig an, und wir Ärzte „lernen“ daraus auch immer mehr, welche Symptome zum Teil noch Monate nach der eigentlichen Infektion verspürt werden. Häufig dauert bereits die allgemeine Erholungsphase nach dem Infekt sehr lange; viele Patienten fühlen sich müde, schnell erschöpft und deutlich weniger leistungsfähig. Auch wird über langanhaltende Kurzatmigkeit berichtet, die bei sportlichen Aktivitäten naturgemäß besonders einschränkend wirkt. Sehr häufig verspüren Betroffene auch allgemeines Unwohlsein im Bereich des Brustkorbes, stechende oder ziehende „Herzschmerzen“ oder auch das Gefühl eines Herzstolperns oder Herzrasens. Neben einer Beeinträchtigung der sportlichen Leistungsfähigkeit durch diese Beschwerden entsteht auch oft eine starke Verunsicherung, wann und ob man wieder mit einem Training beginnen bzw. die Trainingsintensität steigern kann.

Für das Corona-Virus selbst können wir diese Frage aktuell noch nicht ganz sicher beantworten, dazu müssen wir noch mehr über die verschiedenen Verläufe der Erkrankung lernen. Allerdings kann man allgemein sagen, dass die Dauer der Sportpause, ähnlich wie bei anderen Viruserkrankungen, vor allem von den individuellen Beschwerden und dem Krankheitsausmaß abhängt. Zum Glück signalisiert uns unser Körper in den allermeisten Fällen, wann wir uns nach einer überstandenen Infektion wieder gesund und belastbar fühlen. Man sollte also in jedem Fall warten, bis man absolut keine Krankheitssymptome mehr verspürt und dann noch ein paar „Sicherheitstage“ anhängen (3-5 Tage). Hat man Fieber gehabt, sollte man mindestens 1 Woche nach kompletter Normalisierung der Körpertemperatur abwarten, bevor man wieder ins Training einsteigt. Dies sollte man dann sehr langsam und vorwiegend im Grundlagenbereich tun, da Sport in höheren Intensitäten kurzfristig wieder zu einer Belastung des Immunsystems führt und dadurch Rückfälle drohen.

Sicherlich müssen wir auch hier noch mehr über die Zusammenhänge einer COVID-19-Erkrankung mit sportlicher Aktivität lernen, so dass sich ein konkretes Risiko derzeit kaum benennen lässt. Allerdings: so gesund Sport und körperliche Bewegung auch sind, bedeuten sie für den Körper zunächst immer auch eine punktuelle Anstrengung, an die man sich nach einer Virusinfektion erst einmal wieder gewöhnen muss. Gerade bei höheren Intensitäten besteht die Gefahr einer zusätzlichen Belastung des Immunsystems, welches sich vielleicht noch hauptsächlich mit der Bekämpfung und vollständigen Abwehr des Virus befasst. Somit besteht immer die Möglichkeit eines Rückfalls. Aus sportkardiologischer Sicht besteht die größte theoretische Gefahr eines verfrühten Trainingseinstiegs aber sicherlich darin, Folgeschäden am Herzen zu übersehen oder diese gar erst durch verfrühtes Training auszulösen. Auch ist es denkbar, dass das Virus in anderen Organen noch nicht vollständig bekämpft und eliminiert ist und sich dort wieder ausbreiten könnte.

Die am häufigsten durch das neuartige Coronavirus betroffenen Organe sind Lunge und Herz. Neben der Muskulatur sind dies auch die beiden wichtigsten Organe für eine gesunde sportliche Aktivität. Daher sollte ein Check immer mindestens eine Untersuchung von Herz- und Lungenfunktion beinhalten, in aller Regel durch EKG, Herzultraschall, Lungenfunktionstest und einen Belastungstest. Letzterer sollte optimaler Weise als Spiroergometrie durchgeführt werden (Messung der Atemgase unter Belastung), um die volle Funktionsfähigkeit der am Sport beteiligten Organe und auch die aktuelle Fitness zu überprüfen (Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme VO2max). Der Test kann (entweder alleine oder mit zusätzlicher Laktatmessung) auch mit einer Bestimmung geeigneter Trainingsbereiche kombiniert werden, um sicher in den richtigen Bereichen mit dem Training zu beginnen bzw. dieses in gesunder Weise wieder zu steigern. Auch eine Blutentnahme sollte durchgeführt werden, mit der nicht nur Herzwerte bestimmt werden, sondern auch ein allgemeines Organprofil erstellt wird, um weitere Folgeschäden nicht zu übersehen. Und nicht zu vergessen – ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt sowie eine detaillierte körperliche Untersuchung bilden selbstverständlich immer die Basis eines sorgfältigen Checks.

Das hat im Wesentlichen 2 Gründe: einerseits kann es, wie bereits aus den vorhergehenden Fragen und Antworten ersichtlich, auch zu unbemerkten Folgeschäden für verschiedene Organe kommen. Es kann zum Beispiel sein, dass das Virus auch den Herzmuskel befallen hat, ohne dass man dies verspürt, dort aber eine „stumme“ Entzündung hervorgerufen oder zu Narbenbildungen im Herzen geführt hat. Solche Narben können wiederum Herzrhythmusstörungen auslösen, die ganz besonders bei körperlichen Anstrengungen zu Problemen führen könnten. Andererseits ist es auch sinnvoll, auf Basis eines sportmedizinischen Checks individuelle Trainingsbereiche ermitteln zu lassen, die einen kontrollierten Wiedereinstieg nach längerer Pause unterstützen.

Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht vollständig beantwortet werden. Ein lebenslanger Schutz vor einer Viruserkrankung hängt davon ab, ob der Körper bleibende Abwehrstoffe (Antikörper) entwickeln kann. Dies wird für das neuartige Corona-Virus vermutlich erst in den kommenden Monaten oder Jahren wirklich überprüfbar sein. Bei einigen COVID-19-Patienten war es offenbar sogar so, dass sich zunächst Antikörper gebildet hatten, welche dann aber nach wenigen Wochen wieder aus dem Blut verschwanden. Dies hat dann sogar teilweise auch schon zu erneuten Ansteckungen geführt, die zum Teil sogar schwerer verlaufen sind als der erste Infekt. Insgesamt sind hier also zum jetzigen Zeitpunkt noch viele Zusammenhänge zu klären, bis wir das Bild einer SARS-CoV-2-Infektion vollständig verstehen.

Durch das weltweite Auftreten des neuartigen Corona-Virus wird seit Beginn der Pandemie sehr viel und sehr schnell an möglichen Impfstoffen geforscht. Es besteht also durchaus Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit wirksame Impfstoffe geben könnte, zum Teil (wie in Russland) werden sogar bereits welche eingesetzt. Solche Stoffe müssen allerdings sehr strenge und zeitaufwändige Prüfungen durchlaufen, bevor sie für die Allgemeinheit freigegeben werden können, damit wir auch wirklich einen Nutzen davon haben. Leider ist es übrigens auch nicht unbedingt sicher, ob ein einmalig verabreichter Impfstoff tatsächlich lebenslang schützt. Manchmal, wie bei der Grippe, verändern Viren ihre Struktur, so dass immer wieder leicht veränderte Impfstoffe notwendig sind. Im Extremfall ist es theoretisch sogar möglich, dass gar kein wirksamer Impfstoff entwickelt werden kann, wie wir es vom HI-Virus (AIDS) kennen. Hier bleiben derzeit also noch einige Fragen offen, welche aber sicher durch die intensive derzeitige Forschung stetig besser beantwortet werden können.

Wir hoffen sehr, dass wir einige wichtige Fragen rund um die derzeitige Corona-Krise für Sie beantworten konnten. Das Wichtigste ist: Bleiben Sie gesund, achten Sie bitte sehr auf sich, verfolgen Sie die Anweisungen, die uns die Experten geben – nur so können wir einen hoffentlich sicheren und guten Weg aus der Krise finden.

unverbindliche Terminanfrage

Ihre Daten werden über eine gesicherte Verbindung übertragen. Lesen Sie unsere Erklärung zum Datenschutz